Der Maulwurf

Fünfzig Millionen Jahre alte Fossile. 35 verschiedene Arten. Unterirdische Tunnelsysteme. Notorischer Einzelgänger und Star von mehreren beliebten Kinderbüchern: Das ist der Maulwurf, von dem eigentlich jeder schon gehört, dessen Hügel jeder schon auf Wiesen bemerkt hat. Und das fast überall auf der nördlichen Halbkugel – von Eurasien bis Nord- und selbst Zentralamerika. Nur von extrem heißen oder kalten Regionen und von Hochgebirgen hält der kleine Insektenfresser sich fern.

Der Europäische Maulwurf ist nicht vom Aussterben bedroht. Dennoch steht er, wie nahezu alle heimischen Säugetierarten, unter Naturschutz. Deshalb gibt es einiges zu beachten, wenn Maulwürfe im Garten auftauchen!

So sieht der Maulwurf aus

Woran erkennen Sie einen Maulwurf? Der Maulwurf wird häufig mit der Wühlmaus verwechselt, da er erheblich kleiner ist, als die meisten Menschen annehmen: Von Kopf bis Schwanzansatz können Maulwürfe zwar je nach Maulwurfsart bis zu 22 Zentimeter lang werden, doch die kleinsten Vertreter haben nur eine Länge von 9 Zentimetern. Sie wiegen nur bis 170 Gramm – der Europäische Maulwurf ist im Durchschnitt 88 g schwer. Umso kleiner der Maulwurf, desto länger ist häufig sein Schwanz im Verhältnis zu seinem Körper: Bei den Kleinen ist der Schwanz etwa so lang wie Kopf und Rumpf, größere Maulwürfe haben hingegen einen eher stummelartigen Schwanz bedeckt mit einigen Tasthaaren.

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Die vorderen Gliedmaßen sind als Grabschaufeln ausgebildet.

Typisch für die Körperform des Maulwurfs sind sein walzenartiger Rumpf, der fast ohne Hals in den Kopf übergeht, sein weiches hellgraues und hellbraunes bis schwarzes Fell und die fünffingrigen und fünfzehigen Gliedmaßen. Die Arme sind das ideale Werkzeug für das unermüdliche Graben von Gängen: nach außen gewandt und wie Schaufeln geformt, kurz und dicht am Kopf. Ohren sind nicht erkennbar, die Augen sehr klein und häufig teilweise mit Fell bedeckt.

Da grabende Maulwurfarten einen Großteil ihrer Zeit unter der Erde verbringen, ist die Sehfähigkeit bei ihnen zweitrangig und meistens auf die Wahrnehmung von hell und dunkel beschränkt. Wichtiger sind der stark ausgeprägte Geruchssinn, der Tastsinn (besonders in der Schnauzregion) und das Gehör, das trotz des Fehlens von Ohrmuscheln gut funktioniert.
Einige Maulwurfsarten leben auch im Wasser. Sie sind aber für Kleingärtner nicht relevant.

So lebt der Maulwurf

Sie haben in Ihrem Garten kugelrunde, teilweise beachtlich hohe Erdhügel bemerkt? Das ist der wichtigste Hinweis auf das Habitat eines Maulwurfs. Der hat die Hügel beim Tunnelgraben aufgeworfen, als er scharf nach unten abbog und die überschüssige Erde dabei senkrecht nach oben drückte.

Wahrscheinlich fand er sich auf Nahrungssuche, denn das ist einer der Hauptgründe, aus denen der Maulwurf sich durch den Boden arbeitet: Vom Geruchssinn geleitet biegt er mal nach hier und mal nach da ab, häufig tief unter der Erde, aber ab und zu auch an die Oberfläche. Er jagt Schnecken, Insektenlarven oder Regenwürmer. Ein großer Nager ist er hingegen nicht; er untergräbt Hindernisse wie Wurzeln, anstatt sie durchzubeißen, und interessiert sich nur selten für Pflanzen. Er hat einen sehr aktiven Stoffwechsel und kann sterben, wenn er länger als zwölf Stunden keine Nahrung erhält. Einen Tag des Hungerns überlebt er auf keinen Fall.

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Eine historische Visualisierung eines Maulwurfsbaus.

Die grabenden Maulwurfsarten verbringen den Großteil ihres Lebens in den immer wieder neu- und umgegrabenen Gangsystemen. Ihre Tiefe hängt davon ab, wo im Habitat die meisten Regenwürmer und Larven leben – in einem breiten Revier in Oberflächennähe oder in einem eingegrenzten Areal, das dafür in die Tiefe reicht. Tief unter der Erde richten sie sich auch bei der Aufzucht ihres Nachwuchses ein, denn dort sind sie am Sichersten. Hier befinden sich Wohnkammern für die Jungen und Nahrungsmittelkammern mit Regenwurmvorräten. Die Würmer kann der Maulwurf lähmen, ohne sie zu töten, indem er ihnen bestimmte Körperteile abbeißt.

Nachwuchs muss er allerdings nur einmal im Jahr – meist nach einer Frühjahrsschwangerschaft – versorgen. Das ist allerdings auch kräftezehrend. Erst nach rund drei Wochen können die bis zu fünf nacktgeborenen Jungen die Augen öffnen, bis zwei Monate sind sie von der Mutter abhängig. Da ihre Lebenserwartung mit drei bis sechs Jahren verhältnismäßig gering ist, sind sie bereits im zweiten Lebensjahr selbst zeugungsfähig. Als Einzelgänger, die sich ausgesprochen selten Reviere teilen, ziehen sie dann aus in die Welt, um einen Kleingärtner für sich allein zu finden, den sie ärgern können.

Da sie mit dem Sonnenstand nicht häufig konfrontiert werden, haben Maulwürfe keinen Lebensrhythmus, der von der Tages- oder Jahreszeit abhängt. Stattdessen haben sie abwechselnde Aktiv- und Schlafphasen von je vier bis fünf Stunden. Allerdings kommt der Maulwurf dennoch häufiger bei Nacht an die Oberfläche, weil dann weniger Bodenvibrationen und Geräusche auf die Anwesenheit von Feinden hinweisen.

So ärgert uns der Maulwurf im Garten

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Solche „Maulwurfburgen“ sind ein Ärgernis für jeden Gartenbesitzer.

Die Maulwurfbekämpfung im Garten ist zumeist nur nötig, wenn Maulwürfe stören, denn tatsächlich hilft ihre unterirdische Aktivität dabei, den Boden zu lockern, durchzumischen und wertvolle unverbrannte und humusfreie Erde aus der Tiefe nach oben zu drücken. Pflanzen und Wurzeln rühren sie nicht an, vertilgen dafür jedoch Pflanzenschädlinge. Ihre Anwesenheit zeugt außerdem von der hohen Qualität des Erdreichs und darf einen Hobbygärtner ruhig mit Stolz erfüllen.

In manchen Fällen kann sich aber durchaus ein besonders pflanzenliebendes Exemplar in Ihrem Garten niederlassen, oder der Maulwurf im Garten muss auf Pflanzennahrung zurückgreifen, weil nicht genug Fleisch zur Verfügung steht. Dann befindet sich die Pflanzen in Gefahr. Auch kommt es vor, dass die praktischen „leerstehenden“ Tunnelsysteme Ratten und Mäuse anziehen.

Das größte Problem stellen in der Regel die Maulwurfshügel dar. Nur zu leicht bringen sie vor allem ältere Personen oder andere körperlich eingeschränkte Menschen zu Fall, insbesondere, wenn sie mit Krücke oder Stock gehen. Natürlich finden viele Gärtner die Hügel auch einfach nicht schön anzusehen oder machen sich um die Integrität des Bodens sorgen. In bestimmten Fällen haben einstürzende, oberflächennahe Gräben Gartengeräte wie Rasenmäher beschädigt.

Es gibt aber auch Gartenbesitzer, die den Maulwurf aus dem Garten entfernen wollen, um ihn zu schützen: Er ist die natürliche Beute von Katzen und Hunden.

Lesen Sie, wie sich der Maulwurf von der Wühlmaus unterscheiden lässt.