Wühlmäuse

Wühlmäuse

Klein, vermehrungsfreudig, scharfzahnig: Das sind unsere heimischen Wühlmäuse. Fast jeder ist den kleinen Nagern schon auf Spaziergängen im Feld, in Kellnern oder auch U-Bahntunneln begegnet. Doch wenn sie im Haus- und Kleingarten gesichtet werden, heißt es, Obacht zu halten: Denn die selten über 500 Gramm wiegenden Minitierchen können, wenn sie nicht verscheucht werden, dank ihrer ungeheuren Personalstärke wie eine Armee in den Garten einmarschieren und ihn förmlich in Trümmern zurücklassen.

Diese Arten gibt es

Es gibt über 150 verschiedene Arten von Wühlmäusen. Einige davon sind dem durchschnittlichen Deutschen völlig unbekannt, wie beispielsweise die Sonoma-Baumwühlmaus aus Kalifornien, die auch vom Aussterben bedroht ist. Von anderen Wühlmausarten könnten Sie hingegen schon einmal gehört haben:

Die Schermaus

Wenn von Wühlmäusen die Rede ist, ist häufig speziell die Schermaus gemeint. Sie wird manchmal als Untergattung der Feldmäuse eingestuft. Allerdings ist sie so vielseitig, dass sie selbst in drei Untergattungen eingeteilt wurde: In die Ostschermaus, die Westschermaus und die Gebirgsschermaus. Im deutschen Sprachraum ist die Ostschermaus verbreitet.

Dass so ausdifferenzierte Forschung über die Schermaus betrieben wurde, zeigt, wie häufig sich ihre Wege schon mit denen der Menschen gekreuzt haben. Die Westschermaus war bis vor hundert Jahren beispielsweise eine der Grundzutaten einer spanischen Paella! Häufiger als ein Nahrungsbestandteil ist sie aber ein Schädling. Die Ostschermaus hat in der Vergangenheit immer wieder durch ihre Populationsfreude erhebliche Schäden in der Landwirtschaft verursacht. Mazedonische Ostschermäusen machten einst Schlagzeilen, weil es ihnen gelang, Reisfelder mit ihren Gangsystemen bis hin zur Unbenutzbarkeit auseinanderzunehmen. Der Schermaus „zu Ehren“ wurde der spezielle Wühlmauspflug erfunden, mit dessen Hilfe auf großen Plantagen Giftköder ausgebracht werden.

Auch für Heimgärtner ist die Schermaus vom größten Interesse. Denn neben ihrer Liebe für mazedonischen Reis stürzt sie sich auch mit großem Hunger auf Gemüsebeete, deren frische und feuchte Böden ihren bevorzugten Lebensraum darstellen. Besonders lecker: Blumenzwiebel, Sellerie, Karotten und Spargel. Da sie selten an die Erdoberfläche kommt und in ihren Tunnelsystemen auch überwintert, kann die Schermaus das ganze Jahr über Schäden verursachen und ist noch dazu schwierig zu jagen.

Achtung: Aufgrund ihrer Maße und der ähnlichen Lebensräume ist sie sehr leicht mit dem Maulwurf zu verwechseln!

Die Feldmaus

Die Feldmaus ist eines der am Häufigsten vorkommenden Säugetiere in ganz Europa. Vom Westen Spaniens bis in die Mongolei ist sie überall anzutreffen – sogar in einigen Gegenden Syriens, deren harschen Lebensbedingungen nur wenige Tiere überleben. Sie werden besonders in der Landwirtschaft zum Problem, wenn sie sich so schnell und in so großen Mengen vermehren, dass die Ernte gefährdet wird. Sie ist also auch hin und wieder im Garten anzutreffen.

Die Rötelmaus

Die Rötelmaus ist leicht an der rotbraunen Färbung ihres Rückenfells erkennbar, der sie ihren Namen verdankt, wird aber wegen ihrer Vorliebe für Gebüsche, Dickichte und Unterholz auch als Waldwühlmaus bezeichnet. Wie die Feldmaus stellt auch sie eines der häufigsten Tiere Europas dar. Da die meisten Gärten ihr meistens keine angenehm schattigen Habitate bieten, sind sie allerdings seltener in der Kleingartenanlage anzutreffen.

Die Bisamratte

Trotz ihres Namens zählt die Bisamratte zu den Wühlmäusen. Nordamerika entstammend, reiste sie als blinder Passagier auf Schiffen von der Neuen Welt in die alte, besuchte Frankreich und Böhmen und fühlte sich so wohl, dass sie heute in ganz Europa anzutreffen ist. Sogar in Teilen Asiens kann sie angetroffen werden.

Ihren Namen verdankt die Bisamratte ihren Männchen. Die sondern ein Sekret ab, das intensiv nach Moschus riecht. Ein anderes Wort für Moschus ist Bisam.

Die Bisamratte ist mit 35 Zentimeter Länge und bis zu 2,3 Kilogramm fast so groß wie ein Biber – der Riese unter den Wühlmäusearten. Tatsächlich trägt sie manchmal den Spitznamen Zwergbiber. Ihr Fleisch ist essbar, ihr Fell in der Pelzindustrie begehrt. Man findet sie fast ausschließlich am Wasser; sie ist ein begnadeter Schwimmer und kann bis zu zehn Minuten unter Wasser bleiben.

Der Lemming

Als Hauptdarsteller in einem der meistgespielten Computerspiele der Welt und einer Disney-Doku ist kaum ein wildes Kleintier so berühmt wie der Lemming. Er ist in fast der gesamten nördlichen Hemisphäre zuhause. Es gibt drei Untergattungen von Lemmingen: Den hübschen mehrfarbigen Echten Lemming, den dunklen Moorlemming und den Waldlemming. Was sie so bekannt gemacht hat, sind natürlich die Massenwanderungen, die sich aus ihren regelmäßigen Populationsexplosionen ergeben. Während es stimmt, dass die meisten Lemminge ihre Wanderungen nicht überleben, gilt der verbreitete Mythos vom „Massenselbstmord“ der kleinen Wühler allerdings als widerlegt.

Lebensweise

Ähnlich dem Biber ist die Wühlmaus ein Nagetier und setzt ihre spitzen, scharfen Zähne ein, um sich stur durch Wurzeln, Knollen und alles andere zu arbeiten, was pflanzlich ist und sich im Boden verbirgt. Deshalb ist sie auch so häufig zu Gast in unseren Kleingärten, denn in den lockeren und nährstoffreichen Böden kann sie problemlos ihre Gangsysteme anlegen. Dabei entstehen oft längliche Erdhaufen, die mit Maulwurfshügeln verwechselt werden können. Sie sind allerdings vergleichsweise flacher und treten nicht mit derselben Regelmäßigkeit auf.

Die Mäusefrau kann bis zu viermal pro Jahr Nachwuchs austragen und produziert dabei jeweils drei bis fünf – in extremen Fällen bis zu zehn – Jungtiere. Die werden innerhalb des ersten Jahres selbst geschlechtsreif. Das heißt, ein Mäusepaar kann innerhalb von zwei Jahren über dreihundert Mäusekinder und -enkel „verursachen“!

So ärgert uns die Wühlmaus im Garten

Durch die schwindelerregende Vermehrungsrate von mindestens 1 : 10 (im Extremfall jedoch 1 : 50!) und ihre ganzjährige Aktivität stellen nur wenige andere Tiere eine so große Gefahr wie die Wühlmaus für den sorgsam gepflegten Heimgarten dar. Jede Maus gräbt ihren eigenen Bau. Insbesondere im Winter kann sie eine Unzahl ihrer flachen, direkt unter der Erdoberfläche liegenden Tunnelsysteme anlegen – Schnee und Eis verhindern die Gegenwehr des Garteneigentümers. Da sie beim Graben immer wieder an die Oberfläche gelangt, wirft sie die bereits oben erwähnten Erdhaufen auf und zerstören Grasnarben. Die so entstandenen Löcher bieten den idealen Nährboden für Unkraut. Schmilzt der Schnee im Frühjahr, kann der Garten förmlich in sich zusammensacken.

Die größten Schäden der hungrigen Mäusefamilie entstehen allerdings durch ihr beherztes Fressen und Benagen von Wurzeln und Wurzelgemüsen, Bäumen, Stauden und Kartoffeln. Ob Obst, Gemüse oder Ziergehölz – vor der Wühlmaus ist wenig sicher, und sie produziert zahlreiche hungrige Kinder. Unter Bäumen sind insbesondere die jungen gefährdet, deren Wurzeln noch von den kleinen Mäusegebissen bewältigt werden können. Häufig zeigt sich erst im Frühjahr, wenn die Bäume nicht mehr austreiben, was unter der Erde passiert ist. Schäden an den kleineren Pflanzen sind leichter erkennbar: Sie verlieren den Halt und können mit einem kurzen Ruck aus dem Boden gezogen werden.